PJ Harvey: Die Musikwelt verändert sich
Die Meinungen über den (kommerziellen) Wert des traditionellen Albums gehen die Meinungen freilich auseinander. Kele Okereke, Sänger von Bloc Party, beispielsweise glaubt nach wie vor an dieses Konzept.
Aber was macht ein Album überhaupt zu einem Album? Reicht es nicht einfach aus, mindestens neun oder zehn Lieder in eine wohl klingende Reihenfolge zu bringen? Mitnichten, wie PJ Harvey findet. Ein Album sollte im Idealfall immer ein übergeordnetes Thema haben, ohne dadurch bereits ein Konzeptalbum zu sein. Die Songs sind die Facetten, die sich letztlich auf Albumlänge zu einem musikalischen Bild zusammensetzen.
Auf „A Woman Walked By“ zollt die Künstlerin PJ Harvey dieser Entwicklung ihren Tribut
Diese Arbeitsweise muss sich nun ändern, findet PJ Harvey. Wenn Konsumenten nur noch ein bis zwei Stücke aus einem Album hören, dann muss jedes einzelne Lied eine ganze Welt beschreiben, die ansonsten eines ganzen Albums bedurft hätte.
Diese Geschlossenheit soll sich auf dem Album „A Woman Walked By“ also in jedem einzelnen Songs ausdrücken. „Black Hearted Love“ macht hier den Anfang: Entstanden ist der Song gemeinsam mit dem Musiker und Produzenten John Parish. Erstaunlich ist hier vor allem, dass die zu erwartende lyrische Komplexität gerade nicht stattfindet. Viele Welten sind offenbar gar nicht so vielschichtig, wie es zunächst erscheinen mag.
Der Anspruch des Albums ist also offenbar ein anderer: Immerhin lässt sich jede dieser Facetten in ihrer Eigenständigkeit betrachten – und damit aus dem Gesamtzusammenhang herausgelöst.
Stimmlich besitzt PJ Harvey freilich die Fähigkeiten, um den Songs auf „A Woman Walked By“ die dazu notwendigen Ecken und Kanten zu geben. Vieles wirkt einfach stärker auf den Punkt gebracht. Die Tiefe, welche die britische Künstlerin bislang so ausgezeichnet hat, geht indes jedoch ein Stück weit verloren – man denken nur an „One line“ aus dem 2000er Album „Stories From The City, Stories From The Sea“, aber auch an die Intensität des Albums „White Chalk“. Es bleibt also abzuwarten, ob sich PJ Harvey mit dieser neuen Konzeption langfristig wirklich einen Gefallen tut – zumal sie selbst nicht so recht glücklich damit zu sein scheint.
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