Tocotronic

Wenn von deutschem Indie die Rede ist, muss der Name Tocotronic unweigerlich fallen; schließlich ist die Band im ureigenen, oder besser gesagt, einstigen Sinne Independent.

Ihren Ursprung findet Tocotronic folgerichtig im Underground, wo sich die Band bereits 1994 einen Namen machte. Die erste Single „Meine Freundin und ihr Freund“ musste noch selbst vertrieben werden.

Diesen unprofessionellen, wenn man denn so will, ursprünglichen Gesamteindruck hat sich die Band Tocotronic bis heute (wenigstens zum Teil – ob freiwillig oder nicht) erhalten. Auch textlich  ist die Band wenig angepasst  oder gar glatt gebügelt, unterscheidet sie sich in ihrer politischen und gesellschaftskritischen Art doch von dem gemeinen Pop-Konsens.

Das Album „K.O.O.K“  aus dem Jahre 1999 war das erste der Band, das sich in den deutschen Top Ten platzieren konnte – auch die Folgealben  „Tocotronic“, „Pure Vernunft darf niemals siegen“ und „Kapitulation“ aus dem Jahre 2007 haben sich dort platziert.

Offenbar ist Tocotronic längst im Mainstream angekommen; die Auftritte finden mittlerweile in  großen Hallen statt. Doch gerade diese Distanz, die zwischen dem Frühwerk von Tocotronic und dem „Mainstream“ der letzten zehn Jahre liegt, ist durchaus auch ein Paradoxon; schließlich ist die Band in gewisser Weise so vielleicht näher denn je an ihren Anfangstagen dran, zumindest in der Öffentlichkeit.

Ziel von Tocotronic war es nie, eine Jugendbewegung zu prägen, obwohl sie gerade das taten… ob nun durch ihr eigenes Zutun (wie etwa durch Lieder wie „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“) oder nicht. „Dem Unmut Luft machen“, dies ist vielleicht der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich bei Tocotronic einigen kann – mit dem Vorteil, heute in der komfortablen Situation zu sein, ganz unterschiedliche Menschen zu erreichen, und eben nicht nur (unfreiwillig) Teil einer Bewegung zu sein.