Deutschland sucht den Superstar (DSDS) ist wahrscheinlich so ziemlich der Gegenentwurf zu dem, was man unter Indie-Rock gemeinhin versteht – allein schon wegen Dieter Bohlen. Der „Pop-Titan“ sucht alljährlich nach neuen „Superstars“, um letztlich doch immer wieder leer auszugehen (kommerziell lohnt sich die Show selbstverständlich, das ist wohl keine Frage).
Nun gut, der erste Sieger von DSDS, namentlich Alexander Klaws, hat sich bis heute gehalten – irgendwie. Nach einigen Erfolgen in den Charts („Take me tonight“ und „Free like the wind“) verschlug es ihn auf die Musical Bühne („Tanz der Vampire“) und schließlich in die Soap Opera. „Formbar“ war der gute Alex ja nun schon immer – das merkte man auch bei den Motto-Shows 2003.
Was folgte, waren Sieger, die so recht keine Superstars wurden; nicht einmal Bohlen-Liebling Mark Medlock konnte sich trotz immerhin zwei erfolgreicher Alben wirklich behaupten. Aber… ein Dieter Bohlen gibt nicht auf.
2009, die sechste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ läuft – und das alte Konzept wurde (zumindest etwas) über den Haufen geworfen: In den Top Ten finden sich keine kuscheligen Enns-Brüder, auch ein formbarer Alexander Klaws ist auf den ersten Blick nicht zu sehen.
Aber immerhin: Mit Marc Jentzen ist ein zweiter Daniel Lopes mit dabei – ohne dem guten Marc jetzt Unrecht tun zu wollen. Insgesamt fällt aber auf, dass bei DSDS 2009 einfach mehr Charaktere, ja Typen dabei sind… Grund genug, einfach mal genau hinzusehen. Von wem werden wir in Zukunft vielleicht doch etwas hören wollen, und von wem haben wir schon heute die Schnauze gestrichen voll? Hier die Analyse der DSDS Motto-Shows 2009 ( …tschuldigung).
Cornelia Patzlsperger (ausgechieden)
Sie ist die Frau mit der Harfe und einzige Akademikerin im Teilnehmerfeld. Allein diese Kombination lässt den geneigten Hörer bereits aufhorchen; denn hier scheint nicht nur eine intelligente Frau am Werke zu sein, sondern zugleich eine, die sich (hoffentlich) nicht so schnell verbiegen lässt. Und mal ehrlich: Man kann sich Cornelia Patzlsperger durchaus in kleineren bis mittelgroßen Konzertsälen vorstellen, wie sie dort ihre (im besten Fall eigenen) Lieder vorträgt.
Zudem hatte man Pop plus Harfe in der deutschen Musiklandschaft bislang noch nicht; eine Nische also, welche Cornelia Patzlsperger höchst wahrscheinlich sowohl mit Musik, Intelligenz und Charme zu füllen wissen wird. Musikalisch ist sie ohne Zweifel, sowohl auf der Harfe als auch mit ihrem Mundwerk.
Dominik Büchele
Dominik Büchele ist der Träumer und Denker unter den Kandidaten von DSDS. Seinem großen Vorbild James Blunt eifert er zum Leidwesen der Jury um Dieter Bohlen nach; Dominik Büchele singt, wo er nur kann, Lieder von James Blunt und auch wie James Blunt.
Dennoch: Dominik Büchele hat Talent. Zuletzt hörte man dies während seiner Interpretation des John Lennon-Klassikers Imagine, den er sich durchaus zu Eigen gemacht hat. Hier hört man einen Jungen (schließlich ist Dominik Büchele gerade erst achtzehn Jahre alt), der das Potential besitzt, diesen Wettbewerb für sich zu gewinnen.
Das größte Problem besteht sicherlich gerade in seiner Jugendhaftigkeit. Die Gefahr, dass Dominik Büchele eben nicht die Zeit bekommt, sich persönlich zu entwickeln, könnte für Büchele langfristig zum Verhängnis werden. Hier wäre ein Manager gefragt, der das Bürschele behutsam aufbaut und den langfristigen Erfolg plant.
Daniel Schumacher
Eigentlich ist Daniel Schumacher der klare Favorit – nur er selbst hat dies noch nicht so recht begriffen. Stimmlich schwankt der 21-jährige zwischen George Michael und Darren Hayes (Savage Garden). Ideale Voraussetzungen, um selbst Bohlen-Songs das gewisse Etwas zu verleihen.
Das Problem an Daniel Schumacher ist nur, dass er sich nicht wirklich etwas zutraut. Gefordert ist aber ein „Star“, der weiß was er kann. Hier ist noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten.
Holger Göpfert
Der Holger ist mittlerweile zum Publikumsliebling avanciert – dieser Erfolg birgt jedoch auch ein gewaltiges Problem in sich. Denn leider mimt der durch und durch sympathische Verwaltungsangestellte allwöchentlich den Tanzbären. Was fehlt, ist ein Konzept (ein Schema, wenn man denn so will), das seine definitiv vorhandenen Qualitäten als Entertainer zielgerichtet koordiniert.
Stimmlich ist Holger Göpfert sicherlich interessant, auch wenn sich diese Art, zu singen, schnell abnutzen könnte. Als lieber Mensch, der er ganz offensichtlich ist, bleibt ihm nur zu wünschen, dass er von Dieter Bohlen entsprechend geleitet und gefördert wird.
Sarah Kreuz
Sarah Kreuz fällt ein wenig in die Reihe der stimmgewaltigen Kandidatinnen à la Vanessa Jean Deadmon, Francisca Urio und wie sie alle hießen. Die Gefahr, zur bloßen Witney Houston-Kopie zu werden, könnte also groß sein. Wäre da nicht eine gute Portion Wahnsinn, die Sarah Kreuz bereits ins Gesicht geschrieben steht.
Auch stimmlich hört man dies: Man merkt, dass bei der jungen Dame aus Poppenhausen im Leben nicht immer alles glatt lief. Und genau dies muss die erst 19-jährige Sarah Kreuz in die Lieder legen, um sich so von den Plagiaten zu distanzieren. Ach ja, und ein paar gute Songs später wären auch nicht ganz verkehrt… und das muss leider immer wieder betont werden.
Vier weitere Final-Kandidaten könnten nun noch besprochen werden; mit Vanessa Neigert hätten wir sogar noch ein Mädel im Gepäck, dass nicht nur den Musikantenstadl auf den Kopf stellen könnte (wenn sie noch ein wenig an ihrer Stimme arbeitet). Auch Marc Jentzen hat sicherlich das Potential, den neunten Staffellauf von DSDS für sich zu entscheiden. Für Benny Kieckhäben und Annemarie Eilfeld wird es trotz aller Sympathie-Punkte in den nächsten Runden mutmaßlich vorbei sein. Aber auch das kann ja unter gewissen Umständen durchaus auch ein Vorteil sein.






