Depeche Mode: Sounds of the Universe

Depeche Mode haben mit Sounds of the Universe ein Album der Gegensätze aufgenommen. Beinahe ließe sich daher vermuten, dass die beiden kongenialen Köpfe der wohl einflussreichsten Kult-Band dieses Planeten das Imperium Depeche Mode diesmal nicht so recht steuern konnten. Doch natürlich ist genau das Gegenteil der Fall; doch werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Gegensätze, die dieses Album letztlich prägen und ihm eine eigentümliche Faszination verleihen:

  • Mehr Pop hat es seit Violator nicht mehr auf einem einzigen Album von Depeche Mode gegeben. Immerhin wechseln sich auf Sounds of the Universe getragene Hymnen mit smarten Pop-Melodien ab. Trotzdem wirft das Album von Depeche Mode kaum Singles ab – selbst Wrong dürfte, neben Barrel of a Gun vom 1997er Album Ultra, wohl die abgedrehteste Hit-Single sein, die Depeche Mode jemals im Mainstream verortet haben.
  • Nach Exciter aus dem Jahre 2001 hat kein Depeche Mode-Album so sehr polarisiert wie Sounds of the Universe. Interessant dürfte in diesem Zusammenhang sein, inwieweit sich die Wogen nach dem offiziellen Release glätten, zumal einige Songs noch unfertig oder in minderer Qualität zu Ohren gekommen waren. Wrong zumindest, die erste Single aus Sounds of the Universe, scheint den Geschmack der Devotees zu treffen, wie eine Umfrage von Klangwelt beweist.
  • Stichwort Wrong: Wer bei dieser Single von Depeche Mode ein hartes, wuchtiges Album erwartet, wird auf ganzer Länge womöglich enttäuscht sein. Die Kompositionen auf Sounds of the Universe zeichnen sich insbesondere durch ihre Atmosphäre aus, die dieses Werk insgesamt so homogen erscheinen lassen. So fallen auch die drei Beiträge von Dave Gahan („Hole to feed“, „Come back“ und „Miles away/The truth is“) keineswegs aus dem Rahmen, sondern ordnen sich in das Gesamtkonzept nahtlos ein.
  • Analog, und doch modern: Nachdem Martin Gore dem Trinken abgeschworen hat, ist er offenbar einer neuen „Sucht“ verfallen. Für Sounds of the Universe hat der kreative Kopf von Depeche Mode bei eBay unzählige alte Analog-Synthesizer und Drumcomputer ersteigert, die nun auf dem Album ihren Einsatz finden. Trotzdem klingen Depeche Mode anno 2009 keineswegs wie auf „Construction time again“ oder „Black celebration“, sondern sind vielmehr zwischen Violator, Playing the Angel, Ultra und sogar Exciter zu verorten: Großer Pop trifft hier auf die Energie von 2005, die in ihren losgelösten, „spacigen“ Sounds dann doch wieder ganz leicht, fast schon ruhig wirken. Ach ja, der (scheinbare) Widerspruch; „analog“ steht auf Sounds of the Universe zwar durchaus in Relation zur Nostalgie der “guten, alten Zeit”, ohne dass Depeche Mode jedoch wirklich „back to the roots“ gehen. Depeche Mode haben sich stets weiterentwickelt und tun dies auch auf Sounds of the Universe, was sicherlich auch ein Verdienst des Produzenten Ben Hillier ist.
  • Letztlich müssen Depeche Mode mit Sounds of the Universe keine Hits mehr schreiben, um dennoch Hits zu schreiben. Dies liegt zweifelsohne an der treuen Fangemeinde, aber nicht nur. Auch nicht-eingefleischte Fans werden in diesem Jahr in den Sounds of the Universe schwelgen – den Gesetzen der Pop-Industrie zum Trotz.

Aus diesen Gegensätzen entstehen schließlich die Dimensionen und Ausrichtungen der Sounds of the Universe. Ob Depeche Mode damit ein zeitloses Meisterwerk geschaffen haben, kann zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht beurteilt werden. Es fällt jedoch auf, dass es langsam und stetig wächst. Aber dies tut das Universum ja bekanntlich auch.

1 Kommentar zu “Depeche Mode: Sounds of the Universe”

  1. [...] besser – auch wenn er da leider nichts mehr mitbekommt. Doch auch für alteingesessene Bands wie Depeche Mode oder Placebo geht es nach erfolgtem Gipfelsturm schnell wieder [...]

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